Altes Rettungsruderboot ist zur Schönheitskur

Borkumer DLRG lässt die „Remscheid“ aufarbeiten - Arbeiten an dem Boot haben sich verzögert

Borkum – Die DLRG Borkum lässt zurzeit das historische Rettungsruderboot „Remscheid“ aufarbeiten. Das etwa 80 Jahre alte Boot wurde bis in die siebziger Jahre am Borkumer Jugendbad als Rettungsboot genutzt. Das in den dreißiger Jahren gebaute Boot ist vermutlich das letzte seiner Art an der gesamten Nordseeküste. Die DLRG fand es 2004 auf einem Grundstück, wo es  in eine Dornenhecke eingewachsen war.

Zurzeit wird die „Remscheid“ auf dem Festland wieder flott gemacht. Die Kosten von rund 25.000 Euro für die Instandsetzung hat die DLRG komplett aus Spenden und einer Aktion mit dem bekannten Künstler Ole West finanziert. Die Borkumer Zeitung sprach mit dem DLRG-Vorsitzenden Rudi Erdwiens über den Stand der Sanierungsarbeiten.

Borkumer Zeitung: Anfang des Jahres wurde viel über die Rettung und Restaurierung des Ruderrettungsbootes Remscheid berichtet. Was ist seit dem mit dem Boot geschehen?
Rudi Erdwiens: Oberste Priorität hatte für uns eine hundert prozentige Finanzierung des Projekts Ruderrettungsboot Remscheid, ohne die Kasse unserer DLRG Ortsgruppe zu belasten. Dieses ist uns auch in relativ kurzer Zeit gelungen. Die Vorbereitungen waren zwar arbeitsintensiv, aber wir bekamen von Anfang an viele Sympathien, Hilfe und Unterstützung für unser ehrgeiziges Vorhaben. Mit den Arbeiten am Bootskörper konnte Anfang des Jahres zügig begonnen werden. Diese Arbeiten sind abgeschlossen, derzeitig befindet sich unser Rettungsboot in der Bootsmanufaktur Joachim Westphal, in Bad Zwischenahn.

Borkumer Zeitung: Wie ist die Bildaktion mit dem Künstler Ole West zustande gekommen?
Rudi Erdwiens: Die Aktion mit den 60 Radierungen von Ole West waren ein wesentlicher Pfeiler unseres Masterplans zur Finanzierung der  Restaurierungsarbeiten an der Remscheid. Der Kontakt zu Ole West wurde von Dr. Zühlke hergestellt, der bereits in mehreren Projekten des Heimatvereins mit dem Künstler zusammen gearbeitet hatte. Die Zusammenarbeit mit dem Künstler war für uns äußerst produktiv und in hohem Maße professionell.  Ich habe besonders die Anfangszeiten der Motivfindung, aber auch die Kontakte mit Ole West während der eigentlichen Abwicklungsphase als überaus angenehm in Erinnerung. Die gesamte Aktion ist zu einem guten Abschluss gekommen und hat dann auch für uns den geplanten Erfolg gehabt. Die Auflage von 60 Radierungen war innerhalb kürzester Zeit  vergriffen.

Borkumer Zeitung: Die Arbeiten an der Remscheid sollten bereits im Sommer abgeschlossen sein und das Rettungsboot zurück nach Borkum überführt werden. Was hat zu den Verzögerungen geführt?
Rudi Erdwiens: Durch einen Arbeitsunfall bei der Bootswerft PROWELL, sind die Arbeiten an der Remscheid in dem zwei Mann Betrieb ins Stocken geraten. Dadurch ist die Zeit so weit verstrichen, dass wir in die geplante Urlaubsabwicklung gerutscht sind. Die Fertigstellung der Arbeiten musste um einige Wochen nach hinten verschoben werden.

Borkumer Zeitung: Wie ist der derzeitige Stand der Baumaßnahmen?
Rudi Erdwiens: Durch die eben geschilderten Umstände verzögerte sich auch die Auslieferung an die Bootsmanufaktur Joachim Westphal erheblich. Das ursprünglich geplante Zeitfenster für die Holzarbeiten war schon abgelaufen und andere Aufträge mussten zuerst abgearbeitet werden. Die Ferien in Niedersachsen hatten schon angefangen und somit gerieten wir auch hier in die Urlaubsabwicklung. Jedoch hatte Herr Westphal die verstrichene Zeit gut genutzt. Er war mehrmals bei der Bootswerft gewesen und hatte Maß genommen, um bereits einige Holzteile vorzufertigen.

Borkumer Zeitung: Wie sieht die weitere Planung aus?
Rudi Erdwiens: Zurzeit werden alle vorgefertigten Holzbauteile  nachbearbeitet und in das Rettungsboot eingepasst. Die übrigen Werkstücke sind in der Fertigung. Nachdem alles verbaut ist, muss die Remscheid noch einmal in die Werft nach Bremen, zum Finish und zur Schlusslackierung. Danach geht es wieder in die Bootsmanufraktur nach Bad Zwischenahn, um auch dort ein letztes Finish vorzunehmen.

Borkumer Zeitung: Wann und wie ist die Überführung des Rettungsbootes nach Borkum geplant?
Rudi Erdwiens: Unser ursprünglicher Plan sah eine Überführung der Remscheid über Binnengewässer bis Emden vor. Es sollte dann, in Begleitung anderer Schiffe, weiter auf dem Seeweg nach Borkum gehen. In den Sommermonaten und bei ruhigem Wetter wäre das eine runde Sache und ein krönender Abschluss für uns gewesen. Auf Borkum gelandet sollte es am Hafen oder am Strand einen pompösen Empfang für unser Boot geben. So war unsere ursprüngliche grobe Planung, die wir leider wegen der geschilderten Rückschläge verwerfen mussten. Besonders schade, da sich der NDR für unser Rettungsboot-Projekt interessiert und eine Reportage über den Umbau und die Überführung senden möchte. Dabei werden wir wohl etwas improvisieren müssen. Nach vorsichtigen Prognosen ist mit einer Auslieferung der Remscheid frühestens für Anfang Dezember zu rechnen. Wir sind somit in die dunkle und kalte Jahreszeit geraten. Eine Überführung über Binnenkanäle und weiter über die Nordsee nach Borkum wird immer unwahrscheinlicher. Selbstverständlich wünschen wir uns auch nach wie vor einen großen Bahnhof für die Ankunft der Remscheid. Eine genaue Planung ist aber erst nach Bekanntwerden eines sicheren Liefertermins möglich.

Text: Mit freundlicher Genehmigung der Borkumer Zeitung.
Foto: DLRG Borkum