Die Geschichte der DLRG Borkum beginnt 1952 in einem Wohnzimmer

Ortsgruppe feiert ihr 60-jähriges Bestehen – Höhen und Tiefen gemeistert

Es begann in der Kirchstraße 9. Dort wurde 1952 im Wohnzimmer von Franz Byl die DLRG Ortsgruppe Borkum gegründet. Am Sonntag haben die Mitglieder mit zahlreichen Gästen das 60-jährige Bestehen der Ortsgruppe im Nordsee-Hotel gefeiert. „Heute, 60 Jahre später, können wir mit Stolz und
Freuden den Jahrestag unserer Gründungsversammlung feierlich begehen“, sagte Vorsitzender Rudolf Erdwiens. In den vergangenen 60 Jahren habe es viele kleine und große Erfolge gegeben. „Aber auch vor Rückschlägen und
Misserfolgen war die DLRG Borkum in all den Jahren nicht geschützt. Immer
wieder neue Herausforderungen galt es zu meistern.“ Es fanden sich jedoch
immer wieder begeisterte junge Männer und Frauen, die mit Einsatz, Ausdauer und unermüdlichem Schaffen die Ziele der DLRG in die Tat umsetzten.

„In den ersten Monaten fand die Schwimmausbildung ausschließlich in den
Sommermonaten und am Strand statt“, berichtete Rudi Erdwiens. „Junge Männer um Franz Byl, Willm Poppinga und Erich Obst sowie den Rettungsschwimmern Karlheinz Freese, Willi Saathoff und Erich Harms, um nur einige uns derzeitig bekannte Namen zu nennen, waren die Männer der ersten Stunde.“

In den sechziger und siebziger Jahren habe der Tourismus auf Borkum geboomt. Schwimmen sei groß in Mode gekommen, blickte der DLRG-Vorsitzende in seiner Rede zurück. In diesen zwei Jahrzehnten erlebt die DLRG einen ungeahnten Aufschwung. Bundesweit steigt die Zahl der Mitglieder von 138.500 im Jahr 1960 auf 475.000 im Jahr 1980. Auch die Zahl der Schwimm- und Rettungsschwimmprüfungen nimmt ständig zu und erreicht Mitte der siebziger Jahre mit mehr als 1,5 Millionen Prüfungen pro Jahr ihren Höhepunkt.

1970 öffnet auf Borkum Europas größtes Meerwasser-Wellen-Hallenbad. Von da an konnte die DLRG ihre Schwimmausbildung ganzjährig anbieten. Davon
profitierte die Ortsgruppe Borkum laut Rudi Erdwiens in Bezug auf ihre
Mitgliederzahlen sehr stark. „Das schwimmerische Spektrum erweiterte sich
enorm und die Kinder- und Jugendausbildung rückte neben der Rettungsschwimmausbildung immer mehr in den Vordergrund. Mittwochs war DLRG Schwimmen bei Ferdi und Jutta Dittrich und die Kinder kamen in Scharen.“

Ende der siebziger Jahre endeten die goldenen Zeiten für die DLRG Borkum:
„Wir bekamen keinen Vorstand mehr zusammen“, berichtete Rudi Erdwiens. „Zu dieser Zeit war leider niemand mehr bereit, eine leitende und damit
zeitaufwendige Funktion im Verein zu übernehmen. Unsere Mitgliederstruktur
war mitlerweile so verjüngt, dass unsere Ortsgruppe zum größten Teil aus
Kindern und Jugendlichen bestand. Es gab nur noch wenig Erwachsene in der
DLRG Borkum.“ Die Ortsgruppe wurde daher 1980 zum Stützpunkt Borkum,
verwaltet von Werner Borchert von der DLRG Ortsgruppe Bundeswehr Leer.

„Etwa zehn Jahre ging das so“, berichtete Rudi Erdwiens. „Bis es Klaus
Wybrands wieder auf unser Eiland verschlug.“ Wybrands und Rudi Erdwiens
warben bei den Mitgliedern um Unterstützung für den Versuch, wieder eine
neue Ortsgruppe zu gründen. Am 15. März 1991 wurde dann die DLRG Ortsgruppe Borkum neu geboren. Klaus Wybrands wurde zum Vorsitzenden gewählt, Rudi Erdwiens wurde technischer Leiter. 2004 löste Rudi Erdwiens Klaus Wybrands als Vorsitzender ab.

Im selben Jahr übernahm die DLRG Borkum von der Kurverwaltung das
ausrangierte WC-Gebäude „Middelhüsche“ und baute es in Eigenleistung und mit Unterstützung zahlreicher Sponsoren zum Vereinsheim um.

Seit 2007 ist die DLRG Borkum Mitglied im LandessportBund Niedersachsen. Im selben Jahr gewann die Ortsgruppe den Preis des DLRG Bezirks Ostfriesland für die meisten neu aufgenommenen Mitglieder. Heute ist die DLRG Borkum 349 Mitglieder stark und damit nach dem TuS und dem Heimatverein der größte Verein auf der Insel.

Da vor einigen Jahren viele Schwimmbäder in Deutschland vor der Schließung
standen, lernten bundesweit viele Kinder nicht mehr schwimmen. „Wir kamen
daher den Wünschen vieler Eltern nach, ihren Kindern im Urlaub auf Borkum
das Schwimmen zu vermitteln“, sagte der DLRG-Vorsitzende. So habe die DLRG Borkum 2008 insgesamt 20 Prozent aller Seepferdchen-Abnahmen im Bereich des DLRG Bereichs Ostfriesland gestellt.

Inzwischen habe sich die Lage jedoch wieder weitestgehend entspannt. Seit
drei Jahren bietet der DLRG Landesverband Niedersachsen dazu auch das
Projekt „Lerne Schwimmen bei der DLRG“ an. Dabei können Kinder Kurse vom
Frühschwimmer bis zum Rettungsschwimmer absolvieren.

„Für die Zukunft ist es wünschenswert und wichtig, dass unsere heranwachsenden Kinder und deren Eltern weiterhin auf derartige
Ausbildungsprojekte zählen können.“ Dabei betonte Erdwiens, dass es jedoch ohne die Unterstützung vieler Gönner und Borkumer Institutionen um die Schwimmausbildung auf der Insel längst nicht so rosig aussehen würde.

Sorge bereitete Erdwiens die Bauarbeiten an der Strandpromenade: „Unser
Vereinshaus, das Middelhüsche, steht nicht einmal mehr zwei Meter vom neuen Schutzwall entfernt und wurde fast eingebaut. Hier die für uns wichtigen Ausgleichsflächen zurückzuerhalten und auszupflastern wird in diesem Jahr die allergrößten Anstrengungen in Anspruch nehmen.“ Er hoffe auf den guten Willen der beteiligten Stellen.

Das Rettungswesen auf Borkum sei mit der Qualifizierung „sicherer Strand“ in
jüngster Zeit auf Borkum richtungsweisend geworden, betonte Hans-Jürgen
Müller, Präsident des DLRG Landesverbandes Niedersachsen. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 475 Menschen in Deutschland ertrunken. „Es ist unser Ziel, die Zahl bis 2020 zu halbieren. Das kann aber nur erreicht werden, wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten.“ So lange noch Menschen in Deutschland ertrinken würden, hieße es weiter zu machen.

Bürgermeister Georg Lübben gratulierte der DLRG Borkum im Namen der
Verwaltung und Politik auf der Insel: „Euer Engagement auf der Insel ist
sehr wichtig. Daher wird die Stadt eure Arbeit weiterhin fördern.“ Durch
ihre Großveranstaltungen wie das Anschwimmen und den Kampf gegen die
Gezeiten fördere die DLRG außerdem den Fremdenverkehr auf der Insel. „Ich
wünsche euch weiterhin erfolgreiche Jahre und bedanke mich herzlich.“

Gerhardt Stein übermittelt die Glückwünsche des „großen Bruders“ von der
Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). „Danke für stete
Einsatzbereitschaft, für den Mut und eure Selbstlosigkeit.“ Die DLRG und die
DGzRS hätten dieselben Ziele, nämlich Menschen aus Notlagen oder Gefahr zu befreien sowie Gefahren für Leib und Leben vorzubeugen.

Auch Peter Schöpel, Leiter des Gezeitenlandes, gratulierte der DLRG Borkum:
„Euer 60-jähriges Bestehen ist eine großartige Leistung, auf die ihr zu
Recht stolz sein könnt.“ Die DLRG sei auf Borkum auf dem richtigen Kurs.
„Euer selbstloses Engagement ist genau das, was eine Stadt wie Borkum
braucht.“

Für seinen Einsatz zum Erhalt des historischen Rettungsbootes „Remscheid“
erhielt Hansi Donat bei der Feierstunde das Verdienstabzeichen in Silber.
Schatzmeisterin Britta Erdwiens wurde für ihr „außerordentliches und
hervorragendes Wirken für die DLRG Ortsgruppe Borkum“ außerdem mit der
Ehrenmedaille des Landesverbandes Niedersachsen ausgezeichnet.

Zu dem Gelingen der Feierstunde im Nordseehotel trug auch der Shantychor,
die Oldtimer, bei. Unter der Leitung von Edo Kolodziej sangen die „blauen
Jungs“ zahlreiche stimmungsvolle Lieder – und verzichteten für die DLRG auf
ihre Gage.

Text: Mit freundlicher Genehmigung der Borkumer Zeitung.
Foto: Stephanie Zerm