DLRG erweckt „Kugelblitz“ aus dem Dornröschenschlaf

Verein arbeitet historisches Ruderrettungsboot „Remscheid“ wieder auf – Boot ist vermutlich das letzte seiner Art an der Nordseeküste

Borkum – Lange hatte die DLRG Borkum davon geträumt. Jetzt ist der Traum
wahr geworden. Über verschlungene Pfade ist der Verein in den Besitz des
alten Ruderrettungsbootes „Remscheid“ gekommen.

Das Boot ist vermutlich das letzte seiner Art an der gesamten Nordseeküste.
Gebaut wurde es in den dreißiger Jahren. Anfang der fünfziger Jahre hat die
Kurverwaltung Borkum die „Remscheid“ gebraucht gekauft. Damals hat sich die Kurverwaltung noch selber um den Wasserrettungsdienst gekümmert, alle Rettungsschwimmer waren dort angestellt. „Das waren in der Regel Borkumer Handwerker, die im Sommer keine Arbeit hatten und dann als Rettungsschwimmer arbeiteten“, erinnert sich Hans Donat von der DLRG. 1992 hat die Kurverwaltung die Aufgaben dann an den Zentralen Wasserrettungsdienst vergeben. Von da an waren nur noch die Bademeister echte Borkumer. Die Rettungsschwimmer kamen wie heute im Sommer vom Festland.

Eingesetzt wurde die „Remscheid“ am Jugendbad – von je her ein Badebereich mit kräftigem Wellengang. Dabei war der Umgang mit dem Rettungsboot nicht einfach. Transportiert wurde es zunächst mit einem alten Holztrailer der Kurverwaltung. Anfang der sechziger Jahre wurde dieser durch einen Metalltrailer mit Gummibereifung ersetzt. Mehrere kräftige Männer waren erforderlich, um das Boot ins Wasser zu hieven und anschließend zu bewegen. „Man brauchte vier Personen zum Rudern und eine zum Lenken“, erinnert sich Hans Donat. Tagsüber lag die „Remscheid“ dann im Meer vor Anker. „Da sind wir als Kinder oft hingeschwommen und sind vom Boot aus ins Meer gesprungen“, weiß Hans Donat noch.

Anfang der sechziger Jahre hat der NDR sogar einen Störtebeker-Film mit der
„Remscheid“ gedreht. Gegen Ende der sechziger Jahre bekam das Rettungsboot zur Befestigung eines Außenbord-Motors einen sogenannten Spiegel angeschraubt.

Rumpf und Schwimmkörper des Bootes sind aus seewasserfestem Aluminium
gefertigt. Von innen sind an den Seiten je drei lose Aluschwimmkörper
zwischen Plicht und Bänken eingearbeitet. Dadurch ist gewährleistet, dass
bei Vollschlagen des Bootes die Schwimmfähigkeit erhalten bleibt.

In den siebziger Jahren wurde die „Remscheid“ am Jugendbad dann durch ein motorisiertes Kunststoffboot vom Typ Dorie 13 abgelöst und als Reserveboot am Nordbad eingesetzt. „Dort wurde es ab und an vom damaligen Bademeister „Piet“ Teerling zum Makrelenangeln genutzt“, berichtet DLRG-Vorsitzender Rudi Erdwiens in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Zu seiner Pensionierung bekam Piet Teerling 1981 das Boot dann von der Kurverwaltung geschenkt.

Bis in die neunziger Jahre fuhr „Piet“ Teerling mit dem mittlerweile in
„Kugelblitz“ umgetauften Boot  auf Makrelenfang. Nach Piet Teerlings Tod
wurde das Boot nicht mehr genutzt und wuchs langsam in eine Dornenhecke ein. Bis die DLRG es 2004 dort entdeckte. „Von da an gab es von verschiedensten Stellen immer wieder Bemühungen, das Boot aus seinem Dornröschenschlaf zu befreien, zu restaurieren und es für die Jugendarbeit der DLRG Borkum zu nutzen“, berichtet DLRG-Vorsitzender Rudi Erdwiens. „Doch alle Versuche waren vergeblich.“ Bis es im Frühjahr 2011 Helmer Zühlke gelang, den Besitzer davon zu überzeugen, das Rettungsboot abzugeben, damit es noch sinnvoll genutzt werden könne.

In mühevoller Kleinarbeit haben DLRG-Mitglieder und zahlreiche Helfer das
Boot dann aus dem Dornengestrüpp geschnitten und das ehemals stolze
Rettungsboot abtransportiert. „Das Boot muss komplett erneuert werden“, sagt Hans Donat. Das Holz ist völlig morsch, der Lack abgeblättert.

Gleich nach ihrer Bergung hat die DLRG die „Remscheid“ per Lastwagen zur
Werft ProWell, Hermann Köster im Wassersport Zentrum Lesumdeich in Bremen gebracht. Dort wird das historische Ruderrettungsboot wieder instandgesetzt. Zunächst muss der gesamt Bootskörper von innen und außen im Sandstrahlverfahren von alten Lackschichten befreit werden. Am Bootsrumpf sind zwei kleinere Reparaturstellen zu beheben. Dann müssen sämtliche Holzteile wie die Bodenbeplankung der Plicht, die Ruderbänke und die Sitzbank erneuert werden. Außerdem müssen ein neues Ruderblatt mit Pinne und sechs Riemen hergestellt werden. Weiter soll das historische Rettungsboot einen Schachtmotor und ein Gaffelsegel erhalten – ebenso wie früher die ganz alten Rettungsboote.

„Das Boot ist ein Stück Geschichte der Borkumer Strandrettung“, sagt Hans
Donat. „Es ist enorm wichtig, dieses einmalige Relikt vor dem Verfall zu
retten und für die nachfolgenden Generationen zu erhalten“, ergänzt Rudi
Erdwiens.

Nach seiner Fertigstellung soll das Boot in den Sommermonaten als Blickfang
für Touristen wieder am Strand stehen. Hauptsächlich will es die DLRG jedoch
für die Jugendarbeit nutzen. „Wir wollen die Jugendlichen mit den Methoden
und Besonderheiten der Strandrettung vertraut machen“, sagt Rudi Erdwiens. Wir wollen den jungen Leuten das Rudern und das Handling der Bootsführung beibringen.“ So wolle die DLRG versuchen, eine längerfristige Bindung der Jugendlichen an das Vereinsleben zu erreichen.

Im Juni soll das Rettungsboot fertiggestellt sein. Dann will die DLRG gleich
die erste Fahrt mit ihm unternehmen: Und zwar die Rückfahrt von Bremen über Hunte, Ems und Nordsee bis nach Borkum.

Text: Mit freundlicher Genehmigung der Borkumer Zeitung.
Foto: DLRG Borkum